Saisonvorschau: Wer stürzt den Drachen?
Heute geht die Eishockeysaison in der National League endlich wieder los! Fribourg-Gottéron steht vor der schwierigen Aufgabe, den Titel zu verteidigen, während andere Teams besser aufgerüstet haben.
Kann Gottéron Meister? Im Frühling haben die Freiburger nach Jahrzehnten gezeigt, dass sie es doch können. Kommt nun eine Saison der Bestätigung oder eher der Meisterblues? Einige andere Teams haben aufgerüstet und stehen in den Startlöchern.
1. ZSC Lions
Die ZSC Lions gehen nach anderthalb Saisons unter Marco Bayer in die neue Saison unter der Leitung von Claude Julien. Der Kanadier ist ein NHL-Saurier, welcher in der NHL bereits Titelmeriten geholt hat. Diese Kombination hat schon mit Bob Hartley und Marc Crawford funktioniert. Es ist also verständlich, dass es die Zürcher wieder mit einem Trainer seines Schlags probieren. Der Kanadier steht für strukturierte Defensive und eher als Raubein. Ein Kontrast zum eher als zu weich vorgeworfenen Marco Bayer.
Aber auch auf der Spielerseite hat sich Einiges getan. Der gewichtigste Abgang ist Vinzenz Rohrer. Der Vorarlberger hat sich entschieden, sein Talent in Zug zu vergolden. Die anderen Abgänge fallen weniger ins Gewicht. Auf der anderen Seite sieht es aber rosiger aus. Mit Simon Knak kommt einer der besten jungen Spieler vom HCD nach Zürich. Und mit Tim Berni ein verlorener Sohn zurück nach Altstetten. Auch mit Joshua Fahrni hat man einen jungen, bereits erprobten Spieler geholt. Spannend dürfte der Zuzug von Malte Strömwall werden. Er ist offensiv produktiv, aber defensiv nicht über alle Zweifel erhaben.
Insgesamt steht der ZSC besser da, als letztes Jahr. Da der Zett sich in der vergangenen Saison eher unter Wert geschlagen hat, und sich auf dem Papier verstärkt hat, ist den Zürchern einiges mehr als letztes Jahr zuzutrauen. Es dürfte nicht überraschen, wenn der ZSC wieder um den Titel mitspielt, ja sogar der Favorit auf den Titel ist. Simon Hrubec wird nicht jünger, ist aber immer noch einer der Garanten, nebst Sven Anrighetto und Denis Malgin, dass der ZSC immer für einen Titel gut ist.
2. HC Davos
Erster Rang in der regulären Saison und dann haarscharf am Titel vorbeigeschrammt. Der Rekordmeister ist wieder wer. Unter Josh Holden wurde ein Spitzenteam aufgebaut.
Doch dass man den Meistertitel unbedingt schon letzten Frühling zurückholen wollte, lag auch an den Zukunftsplanungen. Denn der Spielgestalter Matej Stransky bat um eine vorzeitige Rückkehr in die Heimat, womit die Bündner ihren einflussreichsten Stürmer verloren. Nun muss sich die Bündner Offensive ohne den Tschechen neu erfinden.
Immerhin kamen mit den WM-Teilnehmern Dominik Egli und Ken Jäger zwei „verlorene Söhne“ aus Schweden ins Bündnerland zurück. Egli wird die Abwehr stabilisieren, der Stürmer Jäger ist im Herbst gleich zum Captain ernannt worden.
Die Bündner sind auf allen Positionen stark besetzt, um ihre vergangene Saison repetieren und auf sie aufbauen zu können. Wie weit es der HCD schaffen wird, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie die neuen Rollen im Sturm ankommen und ob jene, die mehr Verantwortung erhalten, diese auch erfolgreich wahrnehmen.
Zu den Schlüsseltransfers zählt auch der frankokanadische Abwehrspieler Frédéric Allard, der nach drei Saisons in Schweden erstmals in der Schweiz spielen wird.
Hinter der Bande steht mit Holden der Trainer des Jahres, der es wissen wird, seine Mannschaft nach der Niederlage in der Verlängerung des siebten Finalspiels gewiss zu neuen Höhenflügen motivieren kann.
Seit zwölf Jahren wartet der Rekordmeister wieder auf die Trophäe. Wird 2027 das Jahr des Steinbocks?
3. Genf-Servette
Kaum jemand kennt den Meisterblues so gut wie Genf-Servette. Mit einer Mannschaft auf dem Zenit holten die Genfer 2023 den historischen Meistertitel. Zwar gelang Monate danach als Krönung noch der Gewinn der Champions Hockey League, doch in der eigenen Meisterschaft folgte der Absturz: Zehnter 2024 und 2025 sogar Zwölfter. Zweimal nicht das Viertelfinale erreicht. Der Übergang zu einer besseren Zukunft verlief harzig, doch es tat sich was.
Ähnlich wie Fribourg vor dem Meistertitel leitete Genf-Servette 2025/26 eine Übergangssaison ein mit Ziel 2026/27 und einem schwedischen Trainer mit Nationalteam-Vergangenheit. Sam Hallam hat nun seinen Job in Genf angetreten, nachdem sein vierjähriges Wirken als Nationaltrainer nicht von Erfolg gekrönt war – ganz im Gegensatz zu seiner letzten Station. In zehn Jahren führte er die Växjö Lakers zu drei Meistertiteln und war zweimal Trainer des Jahres. Mit Marco Bayer hat er nun einen meistererfahrenen Assistenztrainer zu sich holen können.
Die Genfer sind auf allen Positionen adäquat besetzt, um an der Spitze wieder mitreden zu können. Mit dem früheren Meistergoalie Robert Mayer und dem aufstrebenden Stéphane Charlin hat Servette einen gesunden Konkurrenzkampf um Eiszeit im Tor. Davor ist die finnisch geprägte Ausländergruppe mit Vili Saarijärvi, Markus Granlund, Sakari Manninen und Jesse Puljujäri Prunkstück und Hauptschlagader zugleich. In die neue Saison steigt man mit punktueller Verstärkung wie die spät verpflichteten Bieler Nicolas Müller, Johnny Kneubühler und den in Bern ausgebooteten Ramon Untersander. Und der kürzlich von Florida in der zweiten Runde gedraftete Litauer Simas Ignatavicius kann ein weiteres Jahr in Genf seine Klasse unter Beweis stellen.
4. Lausanne HC
Nach Jahren des Aufrüstens, die 2024 und 2025 zu zwei Finalteilnahmen führten, war die vergangene Saison ein Rückschlag für die ambitionierten Waadtländer. Nur Rang 6 in der Qualifikation und das Aus in einem an Spannung kaum zu überbietenden Viertelfinale gegen den Erzrivalen Genf-Servette waren deutlich weniger, als man sich in Lausanne erhofft hatte. An Motivation sollte es deshalb nicht mangeln, um wieder näher an die Spitze zu spielen und die Nummer 1 am Genfersee zu werden.
Lausanne litt in der vergangenen Saison insbesondere unter wichtigen Abgängen in der Abwehr. Für die neue Spielzeit konnten die Verantwortlichen auf diese Schwächung reagieren und mit Michael Fora und Romain Loeffel gleich zwei Schweizer Nationalverteidiger verpflichten. Dazu sorgt der Zuzug von Colin Miller für zusätzliches internationales Format. Der NHL-Veteran, der nach zehn Jahren in der besten Liga der Welt direkt von Winnipeg nach Lausanne wechselte, bringt Erfahrung, Härte und offensive Qualitäten mit. Damit dürfte die Defensive wieder zu einem wichtigen Trumpf werden.
Dafür entstanden in der Offensive zwei gewichtige Lücken: Mit Ken Jäger und Théo Rochette verliessen zwei Nationalstürmer den Klub. Diese Abgänge sind kurzfristig nur schwer gleichwertig zu ersetzen. Lausanne setzt deshalb auch auf die Entwicklung seiner jüngeren Kräfte und darauf, die entstandenen Lücken langfristig zu schliessen.
Das Potenzial für eine Rückkehr in die Spitzengruppe ist zweifellos vorhanden. Entscheidend wird sein, ob die neue Defensive ihre Qualität sofort auf das Eis bringt und die Offensive den Verlust der beiden Schweizer Leistungsträger auffangen kann. Gelingt dies, ist Lausanne erneut ein Kandidat für die vordersten Plätze – und für einen langen Playoff-Frühling.
5. Fribourg-Gottéron
Jahrzehntelang hatte man bei Fribourg-Gottéron vergeblich vom Meistertitel geträumt und scheiterte teilweise haarscharf. 2026 vollbrachten es die Freiburger endlich. Doch wie weiter, nachdem der grosse Stein vom Herzen gefallen ist? Kann Gottéron erneut Meister werden oder gehen die Drachen direkt in den Meisterblues?
Zwar haben die Freiburger mit Roger Rönnberg einen renommierten Trainer, der in seinem ersten Jahr nicht nur gelabert, sondern auch geliefert hat. Doch wirken einige Abgänge durchaus gewichtig. Der Meisterschütze Lucas Wallmark konnte nicht so recht mit Rönnberg und flüchtete trotz Vertrag zurück nach Schweden. Julien Sprunger erhielt zwar nicht mehr so viel Eiszeit wie während seines Zenits, doch der Captain zeigte gerade in der Finalserie, dass er sowas wie Herz und Seele der Mannschaft war. Sein Charisma wird man nicht ersetzen. Zu allem Überfluss aus Sicht der Freiburger begab sich dann auch noch der Nationalstürmer Attilio Biasca auf den Weg in die NHL. Immerhin ging mit dem Frankokanadier Anthony Richard ein NHL-erfahrener Spieler den umgekehrten Weg.
Im Tor holten die Freiburger den «verlorenen Sohn» Ludovic Waeber zurück, verloren dafür ihren 39 Jahre alten Meistergoalie Reto Berra. Der Altersdurchschnitt sinkt wesentlich. Es ist ein Zeichen für einen Neuanfang, an dessen Beginn durchaus das Risiko eines Meisterblues besteht. Zumindest die letzten Resultate in der Champions Hockey League wirkten ernüchternd.
6. HC Lugano
Nach der Seuchen-Saison 2024/25 mit der Ligaqualifikation gegen Ajoie überraschte der HC Lugano zuletzt: Rang fünf nach 52 Qualifikationsspielen bedeutete das beste Resultat seit fünf Jahren. Kann das Team von Tomas Mitell daran anknüpfen?
Im Tor bleibt alles unverändert: Niklas Schlegel und Joren van Pottelberghe bilden das Duo, unterstützt vom 22-jährigen Alessio Beglieri. Er sammelte zuletzt bei den GDT Bellinzona Snakes Spielpraxis. Erreichen die beiden Stammgoalies erneut über 92 Prozent Fangquote, sind sie wichtige Sieggaranten.
In der Verteidigung verlor Mitell Nick Meile, Samuel Guerra und Connor Carrick. Bei den Spielern ohne Belastung des Ausländerkontingents kam mindestens gleichwertiger Ersatz. Der 20-jährige Harijs Cjunskis wird an die National League herangeführt, Enzo Guebey ersetzt Guerra.
Mit Lassi Thomson stösst zudem ein technisch starker Zwei-Weg-Verteidiger mit offensiven Qualitäten zum HCL. Der 25-jährige Finne ist ein guter Schlittschuhläufer und besitzt einen gefährlichen Schlagschuss. 2019 drafteten ihn die Ottawa Senators in der ersten Runde.
Offensiv gingen Brendan Perlini, Curtis Valk und Jiri Sekac. Neu sind Jere Innala, Nick Shore und Olle Lyksell. Entscheidend wird, wie sie mit Leistungsträgern wie Aleksi Peltonen, Luca Fazzini, Dario Simion und Captain Calvin Thürkauf harmonieren.
Harmonie ist in Lugano besonders wichtig. Das Tessiner «Dolce Vita» kann auch zur Gefahr werden: Stimmt es in der Garderobe oder auf dem Eis nicht, gerät rasch der Trainer ins Visier.
Mitell muss die Garderobe nicht einmal verlieren; es reicht, wenn die Spieler nicht mehr für ihn durchs Feuer gehen. Nach dem Aufbau der letzten Saison wäre das ernüchternd – besonders für die Fans, die seit 2006 auf den achten Meistertitel warten.
7. EV Zug
Nach dem doppelten Titelgewinn 2021 und 2022 ist der EV Zug nicht mehr zur Ruhe gekommen. Mit dem achten Rang, dem erneuten Viertelfinalaus und den Streitigkeiten zwischen dem geldgebenden Präsidenten und der Mannschaft um das Sportzentrum OYM haben die Innerschweizer 2026 einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht, der für Unruhe und Wechsel sorgte. Beim EV Zug blieb in der Führung kaum ein Stein auf dem anderen in einer Phase, in welcher die Arena vergrössert wird um das wirtschaftliche Potenzial noch besser auszuschöpfen.
An der Bande gab es innert zweieinhalb Jahren Wechsel von Dan Tangnes zu Micheal Liniger zu Benoît Groulx und nun warb man Klotens Lauri Marjamäki ab. Vom Sportdirektor Reto Kläy trennte man sich – angeblich wegen der Streitigkeiten um des Präsidenten Herzensprojekt OYM – und liess den wenig bekannten Ted Suihkonen nachrücken. Der CEO Patrick Lengwiler konnte sich mit den Vorgängen nicht abfinden und nahm den Hut. An seiner Stelle wurde die Ambrì-Legende Paolo Duca installiert. Damit kommt es zu einem grösseren Neustart als gedacht.
Nach dem ganzen Rummel wären Resultate die beste Medizin, um die Negativschlagzeilen in den Hintergrund zu rücken und Spielfreude zurückzubringen. Immerhin gelang es mit Vinzenz Rohrer einen namhaften Stürmer mit Schweizer Lizenz vom Konkurrenten ZSC Lions abzuwerben und mit Leonardo Genoni zu verlängern.
8. SC Bern
Beim SC Bern herrschte im Sommer Aufbruchstimmung: Jürg Fuhrer übernahm nach 28 Jahren Lüthi-Dynastie die Geschäftsführung. Auch Sportleitung und Sportgastro AG wurden neu aufgestellt. Der frische Wind soll nun das Eis erreichen.
In den Testspielen waren gegenüber der Vorsaison Fortschritte erkennbar. Sportdirektor Martin Plüss: «Gegen Langnau war das Spiel nicht gut, gegen Ingolstadt und Augsburg sahen wir Verbesserungen.»
Wie will der SCB, der seit 2019 keine Playoff-Serie mehr gewann, wieder angreifen? Plüss fordert einen aktiveren Auftritt. Wegen vieler Verletzungen habe das Team zuletzt im «Überlebensmodus» defensiv und strukturiert gespielt. Nun soll die Mannschaft energiegeladen, intensiv und aktiv auftreten – Ansätze davon waren bereits zu sehen.
Die Feuertaufe folgt am Dienstag bei den ZSC Lions. Am Freitag empfängt Bern in der PostFinance Arena den letztjährigen Finalisten HC Davos.
Die Verteidigung ist weniger breit besetzt als der Sturm; Verstärkungen während der Saison sind möglich. «Je nach Situation prüfen wir Optimierungsmöglichkeiten», sagt Plüss. Offensiv erhalten bewusst viele Talente Chancen und erhöhen den Konkurrenzkampf.
Entscheidend ist, dass die Leistungsträger wieder stärker auftreten. In den Tests überzeugten unter anderem Miro Aaltonen, Benjamin Baumgartner und Marco Lehmann. Auch die sieben Imports stehen unter Konkurrenzdruck.
Im Sturm kann der SCB auf viele junge Kräfte zurückgreifen. Für Plüss zählt vor allem die Einheit: Der Konkurrenzkampf soll Plätze, Varianten und flexible Linien ermöglichen. Diese Alternativen fehlten in der vergangenen Saison wegen der zahlreichen Verletzten.
Cheftrainer Serge Aubin verlangt Engagement, Stolz und Kampfgeist: «Für mich zählt das gesamte Spiel. Wir wollen von der Defensive bis in die Offensive stolz auf unser Spiel sein.»
Mehr Hingabe und Kampfgeist dürften auch bei den treuen SCB-Fans wieder für positivere Stimmung sorgen.
9. EHC Biel
Mit der Silbermedaille erreichte der EHC Biel 2023 einen Höhenflug, der zum neuen Standard hätte werden sollen. Doch stattdessen rutschte man mit einem überalterten Team in die Krise. Zuletzt verpassten die Seeländer zweimal in Folge den Einzug ins Viertelfinale. Und auf dem Papier scheint wenig dafür zu sprechen, dass man nach dem zehnten Rang wesentlich mehr erreichen wird.
Martin Steinegger räumte zwar noch etwas auf. Weil er ein langfristiges Bekenntnis von ihnen vermisste, trennte er sich trotz laufendem Vertrag von Rodwin Dionicio (Bern) und Johnny Kneubühler (Servette). Dass man auf Identität setzt, ist zwar lobenswert, doch verlor man mit Dionicio einen talentierten wie auch eigenwilligen Verteidiger, der bei seinen letzten Trainern nicht immer hoch im Kurs war, und mit Kneubühler einen Stürmer, der immerhin für 13 Tore gut war als Flügel der dritten Linie. Mit Andrew Aggozino trat ein neuer Legionär seine Stelle gar nicht erst an.
Umso erfreulicher war, dass die Bieler Joël Vermin in einem Tauschgeschäft von Bern holen konnten und mit Jeff Skinner den wohl namhaftesten Transfer aller Clubs. Der 34-jährige, kanadische Stürmer hat 16 NHL-Saisons mit 1110 Spielen in der regulären Saison (379 Tore, 333 Assists) an Erfahrungsschatz, war einst Rookie des Jahres und schaffte es einmal ins NHL All-Star Game. Er muss zwar noch etwas Trainingsrückstand wettmachen, könnte dann aber zum Hoffnungsträger avisieren.
10. EHC Kloten
Seit dem Wiederaufstieg 2022 hatte der EHC Kloten gemischten Erfolg. Der siebte Rang mit Viertelfinalqualifikation 2025 gehörte zu den Highlights, ein Jahr später verpassten die Zürcher mit dem zwölften Rang dagegen die Playoffs. Die Zürcher Unterländer haben sich damit zwar wieder in der National League etabliert, der nächste Schritt nach vorne ist allerdings bislang ausgeblieben. Die neue Saison soll nun zeigen, ob Kloten den Abstand zu den Playoff-Plätzen verkleinern kann.
Vielleicht kam es weder schlecht noch ungelegen, dass der EV Zug den bisherigen Kloten-Trainer Lauri Marjamäki trotz Vertrag abwarb und dafür im Tausch Michael Liniger losschickte. Der ehemalige Klotener Spieler kennt den Klub, die Region und das Umfeld bestens und spielte sich während seiner Aktivzeit in die Herzen der Fans. Nun kehrt er als Trainer zurück und soll der Mannschaft neue Impulse verleihen. Seine Verbindung zum Klub könnte dabei zu einem wichtigen Faktor werden.
Auch sonst gibt es kleine Zeichen, die auf Aufbruchsstimmung hoffen lassen. Mit Reto Berra haben sich die Klotener einen mehrfachen Nationaltorhüter und Meistergoalie geangelt und in die Region zurückgeholt. Seine Erfahrung und Konstanz sollen dem Team auf der wichtigen Torhüterposition Stabilität verleihen. In der Offensive wurde ebenfalls nachgelegt: Raphael Prassl, Michael Hügli und Arttu Ruotsalainen bringen unterschiedliche Qualitäten und zusätzliche Tiefe. Mit Dominik Schlumpf kommt zudem ein routinierter Verteidiger, der der Defensive mehr Sicherheit geben kann.
Verbesserungen sollten mit dieser Mannschaft durchaus drinliegen können. Für einen deutlichen Schritt nach vorne muss Kloten allerdings konstanter auftreten und die Phasen mit zu vielen Punktverlusten reduzieren. Die Playoffs sind kein Selbstläufer, aber das Potenzial für eine Rückkehr in die entscheidende Saisonphase ist vorhanden.
11. SCL Tigers
Für die Hockeyexperten sind die SCL Tigers 26/27 erneut eine Wundertüte und schwer einschätzbar. Von Platz 6 bis 13 ist wahrscheinlich alles möglich. Es wird viel vom Momentum und der psychischen Verfassung des Teams abhängen. Gelingt der Start in die Saison und können längere Talfahrten vermieden werden, liegt viel drin. Ansonsten wird es sehr hart, denn die Konkurrenz ist gross und die Liga extrem ausgeglichen.
Für Sportchef Pascal Müller ist das Kader der neuen Saison komplett und es sind keine Veränderungen mehr zu erwarten. Zum ersten Mal starten die SCL Tigers mit sieben Söldnern von Beginn an in die Saison. Und auch bei den Schweizer Spielern ist man zahlenmässig gut oder sogar überbesetzt. Dies sollte den internen Wettkampf befeuern und das Team vorwärtsbringen. Namhafteste Zuzüge sind Jonathan Dahlén, Emil Pettersson (beide von Timra IK aus Schweden), Nando Eggenberger (EV Zug) und der junge Verteidiger Gian Meier (Frölunda SWE). Dafür musste man sich u.a. von Dario Rohrbach (SC Bern), Joshua Fahrni (ZSC Lions) und Jiri Felcman (NHL – Chicago) trennen und verabschiedete den langjährigen, finnischen Lokalhelden Harri Pesonen im März.
Der Anspruch der Organisation SCL Tigers ist gemäss Pascal Müller ganz klar das Erreichen der Playoffs, sei es direkt – was dann sicher sehr ambitioniert scheint – oder via Play-In. Das Potenzial ist vorhanden und die Langnauer waren in den letzten Spielzeiten immer nahe dran oder hatten, wie vor zwei Jahren, die Viertelfinals erreicht. Die Vorbereitungsspiele im August und September konnten grösstenteils erfolgreich gestaltet werden. Sicherlich immer mit Vorsicht zu bewerten, aber doch ein positives Zeichen, dass die Mannschaft gut unterwegs ist.
In der Neujahrswoche werden die Emmentaler zudem am traditionellen Spengler Cup teilnehmen. Für den Sportchef keinesfalls eine negative Zusatzbelastung, sondern eine Ehre. Zudem fährt man nicht nur als Zaungäste nach Davos, sondern möchte das Turnier natürlich auch gewinnen. Mal sehen, ob es im Januar dann wirklich keinen Spengler Cup-Kater gibt.
12. SC Rapperswil-Jona Lakers
Die SCRJ Lakers waren in den letzten Jahren immer wieder für eine Überraschung gut. Dies gilt auch für die letzte Saison, als man Meister Fribourg in den Playoff-Viertelfinals beinahe ein Bein stellen konnte. Ob dem SCRJ in der Ausgabe 26/27 Ähnliches gelingt, ist jedoch fraglich. Um das Team weiterzuentwickeln, hat Johan Lundskog im Sommer ein neues System implementiert. Dieses funktionierte in der Vorbereitung jedoch noch nicht wie erwartet, weshalb es gegen Kloten und Zug hohe Niederlagen absetzte. Zwar konnte man in der Folge gewisse Anpassungen vornehmen, doch schien die Verteidigung bis zuletzt nicht sattelfest.
Wie so oft wird beim SCRJ vieles von der Form ihrer Torhüter Melvin Nyffeler und Ivars Punnenovs abhängen. Einmal mehr können die Rapperswiler dabei für sich monieren, dass sie das stärkste Goalieduo in der hinteren Tabellenhälfte haben.
In der Verteidigung wird Jacob Larsson und Lawrence Pilut eine Schlüsselrolle zukommen. Die beiden Schweden können sich auf viel Eiszeit freuen, bei der sie die Abwehr des SCRJ einmal mehr orchestrieren müssen. Gespannt sein darf man auf Daniil Ustinkov. Der 20-jährige gilt als eines der grössten Verteidigertalente der Liga. Da sich Ustinkov bei den ZSC Lions nicht durchsetzen konnte, will er seine Qualitäten nun bei den Lakers unter Beweis stellen.
Blickt man auf die Offensive, darf man sich einmal mehr fragen, wer beim SCRJ die Tore schiesst. Schliesslich hat man mit Malte Strömwall einen äusserst produktiven Stürmer verloren. Obwohl Neuzuzug Kevin Labanc ein ganz anderer Spielertyp ist, konnte er in der Vorbereitung immer wieder zeigen, wie gefährlich er ist. Neben Labanc darf man auch Niklas Jensen gespannt sein. Der Däne war in den letzten beiden Jahren oft verletzt. Es stellt sich die Frage, ob er diese Saison durchspielt und zu alter Form findet. An vergangene Erfolge anknüpfen möchte auch Fabrice Herzog, der seine Karriere nach dem Wechsel an den Obersee nochmals neu lanciert.
13. HC Ambrì-Piotta
Nach dem sportlichen Erdbeben der beendeten Ära Cereda/Duca verzeichnete der HC Ambrì-Piotta im Sommer neun Abgänge. Die sportliche Führung konnte diese nur bedingt ersetzen.
Headcoach Jussi Tapola, dessen Vertrag kurz nach Amtsantritt bis 2029 verlängert wurde, soll Ambrì vor den hintersten Rängen bewahren. Dafür braucht es die richtige Mischung, ein verlässliches Goalie-Duo, eine stabile Defensive und starke Imports. Auch Tapolas Taktik wird den Saisonstart entscheidend prägen.
Im Tor bleibt das Duo Gilles Senn und Philip Wüthrich. Senn ist bis 2028 gebunden, Wüthrich nur bis Saisonende; über einen Abgang wird spekuliert. Wüthrich parierte 90,6 Prozent der Schüsse in der Regular Season und 92,0 Prozent in den Playouts, Senn 88,9 Prozent. Geht Wüthrich, müsste Sportchef Lars Weibel reagieren. Wegen fast 30 Millionen Franken Schulden und drastischer Sparmassnahmen ist sein Spielraum jedoch äusserst klein. Affaire à suivre.
Die Verteidigung bleibt nahezu unverändert. Jesse Zgraggen wechselte zum HC Ajoie und wurde lediglich durch die Junioren Elia Scilacci (19) und Aris Häfliger (21) ersetzt. William Worge Kreü kam von Adler Mannheim vorübergehend als Ersatz für den verletzten Jesse Virtanen.
In der Offensive wiegen die Abgänge von Dominic Zwerger, Chris DiDomenico, Alex Formenton und dem zurückgetretenen Dario Bürgler schwer. Von den fünf besten Stürmern der Vorsaison bleibt nur Michael Joly. DiDomenico (10 Tore/31 Assists), Zwerger (15/11) und Formenton (13/10) hinterlassen eine grosse Lücke. Die neuen Imports Roby Järventie, Nate Schnarr, Matej Pekar und Petr Kodýtek müssen diese Produktion auffangen.
Damit bleibt die Frage, ob Tapolas Mannschaft früh überrascht oder bereits im November in den Krisenmodus gerät. Ein guter Start würde Club und Fans ruhigere Wochen auf und neben dem Eis bescheren.
14. HC Ajoie
Zu guter Letzt tippen wir den HC Ajoie auf den letzten Rang. Eine allzu mutige Entscheidung ist es nicht, nachdem die Jurassier seit dem Aufstieg in fünf Saisons jedes Mal den letzten Platz erreichten. Der Ligaerhalt war bisher das grosse Ziel – und meist auch die grösste Herausforderung. Dass Ajoie erneut gegen den Abstieg kämpfen dürfte, liegt deshalb nahe.
Dass man sich damit quasi schon abgefunden hat, passt der strategischen Führung ganz und gar nicht und lancierte eine kleine Revision. Mehr als die Hälfte der Mannschaft wurde ausgewechselt. Darunter gab es auch schmerzhafte Entscheidungen wie die Trennung von Philip-Michaël Devos von seinem «Zwilling» Jonathan Hazen, der künftig in Visp unter Vertrag steht. Die grosse Rochade birgt zwar Risiken, könnte dem Team aber genau jene neue Energie verleihen, die in den vergangenen Jahren oft fehlte.
Dringend benötigter frischer Wind kommt dabei auch aus Finnland. Ville Peltonen ist neuer Trainer beim HC Ajoie, flankiert von einer anderen finnischen Spielerlegende, Petteri Nummelin, und Samuel Tilkanen. Das neue Trio soll Ajoie auf die Siegerstrasse bringen, wird mit seinem Team aber auch über Niederlagen sprechen müssen. Denn Geduld dürfte gefragt sein, wenn eine Mannschaft derart stark umgebaut wurde.
Finnisch zu und her geht es auch bei den Spielern. In der Abwehr wurden die Brüder Anttoni und Julius Honka wiedervereinigt. Vorne soll Devos bald den Schweizer Pass erhalten, während Julius Nättinen, Kristian Tanus und Jerry Turkulainen für die offensive Musik sorgen sollen, die in der Vergangenheit zu oft ausblieb. Ob die vielen Veränderungen reichen, um erstmals den letzten Platz zu verlassen, wird eine der spannendsten Fragen der Saison.
Text: Martin Merk, Roman Badertscher, Fabian Lehner, Rolf Schwarz, Simon Wüst, Pascal Zingg. Bild: Jörg Oegerli
